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Wir lieben die Berge.
Wir schützen die Natur.
Wir sind viele.

Tourenbericht Durchquerung Bernina 2018

Nach der Tour ist vor der Tour. Was für die Kollegen aus dem Ballsport-Sektor gilt, trifft auch im Bergsteiger-Business zu. „Eine Hochtour in der Schweiz, das wär' mal was!" – so der Kommentar von Andi, als wir nach der letztjährigen Schobergruppen-Durchquerung wieder dem Tal entgegen schlenderten. Warum eigentlich nicht. Nach einigen Überlegungen und verworfenen Plänen fiel meine Wahl schließlich auf die Bernina-Gruppe. Eine fünftägige Durchquerung sollte uns mitten durch den sogenannten „Festsaal der Alpen" führen: ausgehend von der Tschiervahütte am Fuß des Biancograts über den Piz Morteratsch, Bovalhütte, Fortezzagrat und Marco-e-Rosahütte, gekrönt von einer abschließenden West-Ost-Überschreitung des Piz Palü. Soweit der Plan. Aufgrund unsicheren Wetters entschloss ich mich zu einem – um einen Tag – verschobenen Start und damit zu einem Verzicht auf den Piz Morteratsch. Obschon der Umfang der Tour damit schrumpfte, stellte sich dies im Nachhinein als sinnvolle Entscheidung heraus: die verbliebenen vier Tage brachten windschwaches, stabiles Sommerwetter, welches unsere Durchquerung zu einem wahren „Fest" werden ließ.

Auch wenn an unserem ersten Tourentag kein Gipfel auf dem Programm stand: der Übergang von der Bovalhütte zur Marco-e-Rosahütte könnte abwechslungsreicher kaum sein - hier ist der gestandene Hochtourist gefragt! So bietet der im unteren Bereich apere Morteratsch – Gletscher die Möglichkeit, die persönlichen Steigeisen-Künste wieder aus der Mottenkiste hervor zu holen. Nach einigen Geländewechseln zwischen Moränenschotter, Blockwerk und Firn erreichen wir schließlich die „Fortezza" – einen luftiger Felsgrat, der Richtung Bellavista – Scharte nach oben zieht. Aufgrund von akuter Felssturzgefahr hat sich die Routenführung hier leicht geändert; die Kletterschwierigkeiten erreichen stellenweise den dritten Grad. Beflügelt durch die majestätischen Ausblicke auf die drei Nordpfeiler des Piz Palü zu unserer Linken und den Biancograt zu unserer Rechten gehen diese griffigen Felsmeter leicht von der Hand und wir finden uns schließlich auf der Bellavista-Terrasse wieder. Der Name ist Programm: hier oben hat man wirklich das Gefühl, erhaben über allem Alltagsgrau dahin zu wandeln. Zugleich können wir auch bereits unser morgiges Tagesziel, den Westgrat des Piz Palü, in Augenschein nehmen.

Der Weiterweg zu unserem heutigen Tagesziel ist gut ausgetreten; dennoch fordert das spaltenreiche Gelände volle Konzentration bis in den Schuhraum der Hütte. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit werden die Spaltenbrücken bereits weich und wir bekommen dadurch die Möglichkeit, auch unsere Weitsprung – Fähigkeiten unter „be-schwerten" Bedingungen zu reaktivieren. Nach unzähligen Sprungmanövern sind wir daher froh, die für die große Höhe recht komfortable Hütte auf italienischem Boden zu erreichen. Gerne nehmen wir das Angebot an „mineralienreichen" Getränken in Anspruch, denn die Höhensonne hat doch stark an unseren Reserven gezehrt. Nach einem mehrgängigen, italienischen Abendessen verschwinden wir zeitig in den kapazitätsmäßig „ausoptimierten" – sprich: engen – Betten. Als wir gegen 6 Uhr vor die Hütte treten, bietet sich uns eine tolle Morgenstimmung: das Wolkenmeer über den Tälern und glasklare Sicht in den Bergen kündigen einen erneut herrlichen Bergtag an. Die bei dem ein oder anderen von uns aufgetretenen, leichten Höhensymptome vom gestrigen Abend lösen sich in der Morgenluft schnell auf und so arbeiten wir uns – der Sonne entgegen – auf bekanntem Weg, zügig in die Bellavista – Scharte vor.

Der trockene Fels gestattet uns steigeisenfreie Kletterei – gute Sicherungsmöglichkeiten lassen keinen Stress, dafür umso mehr Klettervergnügen aufkommen. Tief- und Ausblicke zu Spinas- und Bumillerpfeiler sorgen für das passende Ambiente mit Gänsehaut-Faktor.

Kurz nach dem Erreichen des Piz Spinas legen wir erneut die Steigeisen an und finden uns wenig später auf dem breiten Hauptgipfel des Piz Palü wieder. Schmale Firngrate und stellenweise vorhandenes Blankeis verleihen dem Übergang zum Ostgipfel bzw. dem Abstieg zur Schulter nochmals einige Würze. Dank einer deutlichen Spur bereitet uns die Wegfindung durch's Spaltenlabyrinth des Persgletschers keine Schwierigkeiten. Teils staunend, teils kritisch betrachten wir die Eistürme und Verwerfungen dieses Gletscherbruchs. Als auch die letzte Spalte überquert und der Gegenanstieg am Piz Trovat hinter uns liegt, finden wir uns schließlich auf der Sonnenterrasse der Diavolezzahütte wieder. Von touristischen Erschließungsmaßnahmen in den Alpen kann man halten was man will – die Aussicht hier oben ist und bleibt phantastisch.

In der spätnachmittäglichen Sonne genießen wir ein verdientes Bier und können (fast) unsere gesamte Tour nochmals in aller Ruhe Revue passieren lassen. Bei einem herrlichen Abendmenü und einem wunderbaren Frühstücksbuffett klingt unsere Bernina-Durchquerung schließlich aus.
Christopher Rose

Bericht vom 18. Dezember 2018

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