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Wir lieben die Berge.
Wir schützen die Natur.
Wir sind viele.

Führungstour Zillertal

 

Licht und Schatten im Zillertal

Mehrtägige Gebietsdurchquerungen – ob zu Fuß im Sommer oder auf Skiern im Winter – haben immer einen besonderen Reiz. Schon allein durch den längeren, zusammenhängenden Aufenthalt im Hochgebirge ist der Erlebnisfaktor dabei erfahrungsgemäß noch größer als bei Wochenendtouren. Diese Regel hat sich auch bei dieser Zillertal-Durchquerung bewahrheitet, zu der Jens, Stefan, Andi und ich am 19. August in Ginzling aufgebrochen sind.

Den Aufstieg zur Greizer Hütte bringen wir im Nebel und Nieselregen hinter uns. So bleiben uns leider auch Einblicke die Nordostabstürze der Zsygmondyspitze verwehrt, durch die mit der „Feldkopfkante“ eine der klassischen Zillertaler Granitklettereien führt. Wie wir nach dem Abendessen vom engagierten Wirt Herbert Schneeberger erfahren, wird diese Tour heutzutage kaum noch gemacht – der lange und mühsame Zustieg ist offensichtlich nicht mehr mit den Bedürfnissen vieler Kletterer in Einklang zu bringen. Für den darauffolgenden Tag steht der Übergang nach Südtirol auf dem Programm. Den Großen Löffler wollen wir dabei als Bonus mitnehmen – so zumindest der ursprüngliche Plan. Als wir in der Früh aus dem Fenster blicken ist klar, dass wir bei diesen Wetter- bzw. Sichtverhältnissen zufrieden sein können, unsere nächste Unterkunft zu erreichen. Zumal der Große Löffler auch bei guten Bedingungen als „nicht ganz ohne“ bekannt ist. Am Gletscherrand angekommen entscheide ich mich trotz lediglich 50 – 100 m Sicht zum Weitergehen. Auf Anhieb den besten Weg durch die teils stattlichen Spalten des Floitenkees zu finden ist unter diesen Bedingungen eine ordentliche Herausforderung und beschert uns zwischendurch auch einen kleinen Verhauer. In Sichtweite des Westsporns des Großen Löfflers geht es nun aufwärts in Richtung Tribbachsattel.

 

Bei schlechter Sicht unterwegs am Floitenkees.

Da wir den Grat zwischen dem Großen Löffler und dem Sattel zu weit östlich erreichen, klettern wir an der Gratschneide in Richtung Scharte ab. Fester, blockiger Fels im 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad verspricht Klettergenuss, der sich aber auf Grund der schlechten Sicht und einsetzenden Graupelschauern nicht so Recht einstellen mag. Trotz einem auf`s Nötigste beschränkten Sicherungsaufwand kostet das Abklettermanöver Zeit – auch, weil wir uns mit Steigeisen an den Füßen bewegen. Als wir auf der Südtiroler Seite den Gletscher verlassen, dämmert es bereits. Auflebender, bissiger Wind und immer wieder auftretende Regenschauer lassen die Stolperei durch den Moränenschotter zur Geduldsprobe werden. Dieser Abstieg hat wenig mit Genußbergsteigen zu tun, trotzdem kämpfen wir uns wacker talwärts –  „Augen zu und durch!“ lautet nun das Motto. Obwohl wir erst nach der üblichen Abendessenszeit auf der Kegelgasslalm einlaufen, werden wir von der Wirtin Klara noch auf`s Beste versorgt und sinken wenig später in die Betten. Die nötige Bettschwere haben wir heute mehr als erreicht. Am darauffolgenden Morgen bietet sich uns ein schon fast vergessenes Bild: Sonne! Sie sorgt zusammen mit der erholsamen Nacht für den nötigen Auftrieb, den wir nach dem zum Ende hin etwas mühsamen ersten Tourentag gut brauchen können. Die heutige, technisch unschwierige Etappe führt uns am sogenannten Neveser Höhenweg über vier Jöcher, viele Kilometer und Höhenmeter zur Nevesjochhütte. Verglichen mit seinem Nordtiroler Pendant, dem Berliner Höhenweg, ist man hier vergleichsweise einsam unterwegs. Eigentlich unverständlich, denn der Weg bietet neben dem sportlichen Anreiz herrliche Ausblicke in`s Ahrntal sowie die umliegenden Gletscherberge des Alpenhauptkamms. Wir kommen flott voran und erreichen am späten Nachmittag die Hütte, wo uns der Wirt Roland mit Handschlag begrüßt. Spätestens beim Abendessen merken wir, dass wir uns in Südtirol befinden: die Hüttenküche kredenzt uns ein herrliches Drei-Gänge Menü. Genau das Richtige für ausgehungerte Bergsteiger wie wir. Dazu darf natürlich ein guter Rotwein nicht fehlen, wir sind ja schließlich in Italien. Das ausgezeichnete Wetter des heutigen Tages sollte uns auch noch für die morgige Königsetappe erhalten bleiben. Anfangs noch auf dem Neveser Höhenweg, soll es über den Großen Möseler nach Nordtirol zurück auf`s Furtschaglhaus gehen. In aller Ruhe können wir auf Betriebstemperatur kommen, denn zunächst steigt der Weg nur gemächlich an. An der Moräne, die vom östlichen Nevesferner Richtung Süden herunterzieht, geht es dann etwas steiler bergauf. Wir gewinnen schnell an Höhe und steuern auf die Scharte zwischen Großem und Kleinem Möseler zu.

 

Im Aufstieg zum Großen Möseler, nur wenig unterhalb des Gipfels.

Auf das Vorhandensein eines Gletschers deuten nur die Schliffplatten hin – ansonsten hat sich dieser hier auf der Südtiroler Seite vollständig verabschiedet. Von der Scharte sind noch ein Paar Meter leichte Blockkletterei zu absolvieren und schon stehen wir am 3480 Meter hohen Gipfel des Großen Möseler. Das prächtige Wetter gibt keinen Anlass, früher als nötig wieder aufzubrechen. So nehmen wir uns genug Zeit zum Fotografieren, Brotzeiten und Schauen. Beim Abstieg nach Nordtirol zeigt der Berg  seine Schattenseite. Nach dem kurzen Gipfelfirnfeld gelangen wir in felsiges Terrain, das durch den Rückgang des Permafrostes schwer beeinträchtigt ist. Man hat das Gefühl, in einem Steinbruch unterwegs zu sein: überall lauern teils großkalibrige Geschosse, die nur darauf warten, dem Ruf der Schwerkraft folgen zu können. In diesem heiklen Gelände können wir nochmals unsere alpinistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dankenswerterweise befindet sich in dieser Zeit  keine weitere Seilschaft über uns. Erleichtert, diese unangenehme Passage hinter uns gebracht zu haben, betreten wir am Fuß des NW-Sporns das Schlegeiskees und laufen nach etwa einer Stunde müde, aber glücklich am Furtschaglhaus ein. Dort bleibt neben dem pflichtbewusst ausgeführten Auffüllen der Elektrolytspeicher auch Zeit für Körperpflege.

 

Team Zillertal vor dem Furtschaglhaus: Stephan, Andi, Christopher, Jens (v.l.n.r.).

Weitaus weniger frisch präsentiert sich in diesen Tagen allerdings die Hochfeiler Nordwand, von der nur ein kümmerlicher Rest vorhanden ist. Den Abstieg zum Schlegeisspeicher am Sonntagmorgen können wir erneut im T-Shirt absolvieren. Hier findet unsere gemeinsame Tour nach fünf Tagen ihren Abschluss – eine Zeit, in der alle das Alltagsgeschehen weit hinter sich lassen konnten.

Christopher Rose

 

 

 

 

 

 

 

Bericht vom 15. Januar 2016