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Wir lieben die Berge.
Wir schützen die Natur.
Wir sind viele.

Führungstour in der Glocknergruppe

 
"Motivation sticht Wettervorhersage"

Mit dabei: Hendrik Wagenseil, Harald Merz, Jens Schiffers, Christopher Rose

Getreu diesem Motto starteten Hendrik, Harald, Jens und ich zu einem verlängerten Hochtourenwochenende in die Glocknergruppe. Das Wetter lässt schon seit geraumer Zeit zu wünschen übrig; trotzdem sind wir alle motiviert und treffen uns, aus verschiedenen Richtungen kommend, am Bahnhof in Kufstein. Unser Etappenziel für den ersten Tag, die Oberwalderhütte, erreichen wir zügig und trockenen Fußes via Gamsgrubenweg von der Franz-Josefshöhe aus. Unterwegs gibt es einige wohlgenährte und daher vergleichsweise schwerfällige Murmeltiere zu bestaunen – die werden von den vielen Touristen anscheinend so gut gefüttert, dass man ihnen zumindest bergauf ohne weiteres zu Fuß hinterher kommt. Bis auf eine internationale Gruppe in Armeebekleidung sind wir unter den wenigen Gäste in diesem „Hochalpinzentrum“, was uns den Luxus eines privaten Mehrbettzimmers ohne Aufpreis beschert. Als wir uns am darauffolgenden Morgen aus den Decken schälen, ist der Blick aus dem Fenster zunächst wenig motivierend – schlechte Sicht und 10 Zentimeter Neuschnee. Gut, erst mal abwarten und frühstücken. Und tatsächlich: nach und nach lichtet sich der Nebel und kurz nach dem Verlassen der Hütte zeigt sogar König Glockner sein schneebedecktes Haupt. Sofort werden bei uns Erinnerungen an vergangene alpine Schandtaten wach; schließlich kann man von hier aus seine imposante Nordflanke ganz besonders gut betrachten. Nach einem wenig schwierigen Aufstieg über mäßig geneigte Gletscherhänge reichen wir uns auf dem mittleren Bärenkopf zum ersten Mal an diesem Tag die Hände zum Gipfelgruß.

Langsam lichtet sich der Nebel und die Nordflanke des Glocknermassivs wird sichtbar

Die Stimmung ist prächtig, die Freude auf die bevorstehende Überschreitung groß, denn mittlerweile hat sich strahlender Sonnenschein eingestellt – dieser sollte uns auch bis in den Nachmittag hinein erhalten bleiben. Jetzt schon etwas steiler, steigen wir in die Keilscharte ab, um uns im Anschluss über die Westflanke auf den Großen Bärenkopf hinauf zu arbeiten. Argwöhnisch beobachten wir das Spiel der Wolken: wie vorhergesagt türmen sie sich von Süden her immer mehr auf, aber noch gibt es keinen konkreten Grund zur Sorge. Unser Weg führt uns schließlich in die Dockscharte, von der aus der teilweise versicherte W-Grat auf den Gipfel der Hohen Dock leitet. Hier müssen wir dann nochmal die Hände aus den Hosentaschen nehmen, denn es steht leichte Kletterei auf dem Programm. Aufgrund der stellenweisen Schneeauflage in Verbindung mit absturzgefährdetem Gelände bringen wir doch noch Seil und einige führungstechnische Maßnahmen zum Einsatz und stehen gegen Mittag auf unserem dritten 3000er für heute. Wenn sich das nicht sehen lassen kann!

Am Westgrat der Hohen Dock

Die sich kontinuierlich verschlechternde Sicht und einsetzende Graupelschauer veranlassen uns zu einem raschen Abstieg. Obwohl dieser ebenfalls größtenteils mit Drahtseilen entschärft ist, fordert der abwärts geschichtete und mit Rollsplit und Schnee bedeckte Fels noch einmal unsere Konzentration. Nach dem Erreichen des Remsschartls lassen wir dieses etwas unangenehme Gelände hinter uns, können auf „Autopilot“ umschalten und laufen schließlich auf der Schwarzenberghütte ein, wo wir von den Wirtinnen Sabine, Irmi und Eva herzlich begrüßt werden. Diese  gemütliche Bergsteigerunterkunft bietet Platz für nicht mal 30 Leute und ist mit angegliedertem Hühnerstall, Plumpsklo inklusive Panoramafenster und Selbstbedienungs - Holzofen so herrlich „anders“. Zudem bietet sich von hier oben eine tolle Aussicht auf das Fuscher Tal und die angrenzenden 3000er. Bereits nach den ersten Eindrücken sind wir uns sicher, dass wir hier oben zwei sehr schöne Tage verbringen werden. Zwar haben wir alle schon am späten Nachmittag gehörigen Kohldampf, die Wartezeit bis zum Abendessen vergeht dennoch schneller als gedacht. Es trudelt noch eine Gruppe Freunde der Wirtsleute ein – mit uns zusammen die einzigen Übernachtungsgäste an diesem Tag. Das Abendessen lässt wahrhaftig keine Wünsche offen und keinen Kubikzentimeter Platz im Magen unausgefüllt – österreichische Küche vom Allerfeinsten! Satt und zufrieden entspinnen sich am Esstisch unter anderem Fachgespräche über die fränkische und österreichische Brau- und Brennkunst; außerdem erfahren wir von den Wirtinnen, dass die Hütte wochenweise von freiwilligen Helfern bewirtschaftet wird. So opfern auch Sabine, Irmi und Eva sieben Tage ihrer Freizeit zum Wohl der Gäste und sicher auch, um für diese Zeit den Alltag komplett hinter sich zu lassen. Nächstes Jahr eine fränkische Woche – das wär`s doch! Unsere Kreativität wird weiter befeuert, einerseits durch den mittlerweile auf Saunatemperatur heizenden Holzofen, andererseits durch erlesene Tropfen aus dem hauseigenen Weinkeller. So endet dieser wunderbare Hüttenabend für manche von uns erst in den frühen Morgenstunden. Beim Frühstück um 6 Uhr stehen trotzdem alle auf der Matte. Von unserem ursprünglichen Tourenziel, dem Großen Wiesbachhorn lassen wir (nur!) aufgrund der schlechten Wetterprognose die Finger und starten Richtung Klockerin. Zügig gewinnen wir an Höhe und stehen nach kurzer Zeit am Rand des Hochgruberkees. Wir halten direkt auf eine Steilstufe zu, die man normalerweise an ihrem orographisch rechten Rand in mäßiger Steilheit umgeht. Voller Tatendrang entscheiden wir uns jedoch für die direkte Variante, die in 45° - 50° Neigung bis unmittelbar unterhalb des Gruberschartenbiwaks führt. Warum immer den einfachsten Weg nehmen, wenn es auch spannender geht! Der griffige Firn erlaubt ein angenehmes Steigen, allerdings lassen sich in der morschen Masse natürlich keine Eisschrauben setzen. Am Ausstieg ist an einer kleinen Wächte noch eine akrobatische Einlage angesagt, die alle mit Spaß gekonnt hinter sich bringen. Mittlerweile stecken wir in einer Wolke, die Sicht ist dementsprechend schlecht und es beginnt leicht zu schneien. Erst mal ab auf`s Biwak und die Kalorienspeicher auffüllen – schließlich haben wir bisher noch keine größere Pause gemacht. Von hier aus sind es lediglich gute 300 Höhenmeter bis zum Gipfel der Klockerin – dementsprechend schwer tun wir mit uns mit einer Entscheidung. Trotzdem: die Prognose für die Nachmittagsstunden ist tendenziell negativ und die Sicht wird nach einer halben Stunde des Wartens eher schlechter. Wir steigen ab, bevor es komplett zumacht und wir dann womöglich Probleme bekommen, über den Abbruch auf den flachen Gletscher zu gelangen. Die Steilstufe bringen wir am selbstgelegten Fixseil absteigend hinter uns. Anschließend gilt es noch einige große Querspalten zu umschiffen, bevor es schließlich flacher wird. Im Laufe des weiteren Abstiegs geht der Schnee in Regen über und bis wir die Hütte erreichen, sind wir vollkommen durchnässt. Der Ofen wurde von unseren Gastgeberinnen bereits angeheizt, schnell sind die Sachen zum Trocknen aufgehängt und wenig später stehen Kuchen und Getränke auf dem Tisch. Draußen regnet es mittlerweile in Strömen, aber das stört uns jetzt nur wenig. So wird der Nachmittag verratscht bzw. verschlafen, bevor uns Sabine, Irmi und Eva wieder ein köstliches Abendessen servieren. Gemütlichlassen wir unseren letzten Abend hier oben ausklingen.

Hendrik und Harald in der Steilstufe unterhalb des Gruberschartenbiwaks

Der Anspruch des letzten Tages besteht nicht im Abstieg in`s Tal, sondern darin, an der Mautstelle in Ferleiten einen freundlichen Menschen zu finden, der einen von uns bis zur Franz Josefs Höhe (hier haben wir das Auto abgestellt) mitnimmt. Gar kein leichtes Unterfangen, denn es ist Sonntag und es regnet in Strömen – bei diesem Wetter sind nur wenige Glocknertouristen unterwegs. Ganz offensichtlich wollen sich die wenigen Unerschrockenen zudem ihr Auto nicht durch einen tropfnassen Bergsteiger versauen lassen und so warte ich etwa eine dreiviertel Stunde, bis ein Berliner Ehepaar sich meiner erbarmt. So endet ein tolles, erlebnisreiches Tourenwochenende und wir sind froh, trotz der durchwachsenen Aussichten die Reise in die Glocknergruppe angetreten zu haben.

Christopher Rose

Bericht vom 1. Oktober 2014

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